Das Homöopathische Arzneibuch
Empfohlene Literaturangaben
für den homöopathisch interessierten Patienten
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Homöopathische Haus- und Notfallapotheke Herausgeber:DZVhÄ Verlag Peter Irl , Buchendorf 8,00 E, ISBN 3-933666-02-3 Homöopathie als Alternative Homöopathie Grundlagen und Praxis Homöopathie heute Homöopathie - Die große Kraft der kleinen
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Fibromyalgie-Syndrom
Allgemeine Daten:
Schon vor mehr als 100 Jahren wurde die diffuse schmerzhafte Störung als
eigenständiges Krankheitsbild erkannt und zunächst als Fibrositis
bezeichnet.
1990 wurde der Begriff Fibomyalgie geschaffen.
Fibra = griech., Faser
myo = Muskelgewebe
algie = schmerzhaft
Sie ist weit verbreitet und einer der häufigsten Schmerzzustände.
In den USA leiden 5 Mill., in der BRD 1,6 Mill. Menschen an der Volkskrankheit.
Man beobachtet sie auf der ganzen Welt, unabhängig von Rasse und sozialem
Status. Etwa jeder 5. Patient einer rheumatologischen Praxis leidet daran. Mehr
als an Gelenkrheuma (rheumatische Arthritis), Epilepsie oder Multipler Sklerose.
80-90% der Betroffenen sind Frauen im Alter von 35- 60 Jahren. Die Krankheit
betrifft 2 % der Gesamtbevölkerung, 7 mal mehr Frauen und Männer.
Zunehmend leiden auch Kinder und Jugendliche daran. ( Arno Gruen: „ Der
Verlust des Mitgefühls“).
Prof. Zieglgänsberger, Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München,
bekanntester Schmerzforscher in Deutschland, über Schmerzen:
„Die Schmerzempfindung wird über Sensoren weitergegeben, die fast
überall im Körper sind. Das Schmerzsignal bekommt Vorrang gegenüber
allen anderen Nachrichten aus dem Körper. Außerdem wird die Information
aufgeteilt. Ein Kanal führt in Bereiche des Großhirns, welche die
Verletzung lokalisieren. Andere Impulse gehen in tiefer gelegene Hirnregionen
und lösen die unangenehmen Empfindungen aus. Aber auch das spielt sich
im Gehirn ab: dort ist der Körper wie auf einer Landkarte wiedergegeben.
Zum Beispiel: Wenn das Knie immer wieder weh tut, bekommen mit der Zeit immer
mehr Nervenzellen diese Information. Die Karte des Körpers verändert
sich also: Das schmerzende Glied darauf wird immer größer. Dann passiert
etwas Fatales: Der Patient wird für den Schmerz immer empfindlicher, denn
das Nevensystem beginnt sich zu verändern. Es beginnen Umbauten im Geflecht
der Neuronen.
Schmerz ist Ohnmacht. Erst das macht ihm qualvoll. Langsam fängt er an.
- das kleine Ziehen im Rücken, das immer mächtiger wird und mit den
Jahren ein ganzes Leben bestimmt. Andauernder Schmerz hat keinen Sinn. Diese
mystischen Ideen, dass Leiden die Menschen veredelt, sollten wir schleunigst
vergessen. Das ist eine antiquierte Vorstellung im Christentum. Niemand soll
Schmerzen ertragen. Sogar der Papst ist dafür, er hat sich zur Schmerztherapie
geäußert. Frühzeitig starke Schmerzmittel geben, damit der Lernvorgang
gar nicht erst in Gang kommt. Eine Welt ohne Schmerzen kann es nicht geben.
Denn Schmerzen – wenn auch ein extremes - wird immer ein Signal dafür
sein, dass wir leben.“
Definition:
Fibromyalgie ist ein Krankheitsbild mit immensen komplexen körperlichen
und psychischen Beschwerden. Auf den ersten Blick haben sie keinen Bezug zueinander.
Früher ordnete man sie dem reumatischen Formenkreis zu. Da sie eine chronische,
aber nicht entzündliche Erkrankung ist, wird sie nach klinischen Gesichtspunkten
eingeteilt. Auf der Suche nach den Ursachen wurden verschiedene Entdeckungen
gemacht und unterschiedliche Erklärungsmodelle daran geknüpft.
Aus schulmedizinischer Sicht bleibt es bisher ungeklärt, ob die Fibromyalgie
einem zentralen Geschehen zugeordnet werden muß oder auf einer Veränderung
in der Peripherie beruht. Auf jeden Fall kann die Schmerzmodulation durch Beeinflussung
der Neurotransmitter-substanzen Serotonien und Dopamin erreicht werden.
Aus Sicht der chinesischen Medizin lassen sich zwei große Untertypen ausmachen
bei denen eine Disharmonie in den Funktionskreisen besteht. Zum einen ist es
der Fülle-Typ, bei dem „Hitze“ in der Leber eine gewichtige
Rolle spielt und zum anderen der Leere-Typ, bei dem vornehmlich eine „Leere“
im Nierenfunktionskreis relevant ist. Schulmedizinisch betrachtet handelt es
sich bei Patienten des „Fülletyps“ vornehmlich um solche Patienten,
bei denen Vergiftungen und Leberfunktionsstörung eine ätiologische
Rolle spielen. Während bei Patienten des Leeretyps eine Schilddrüsenproblematik
(Hypo-, Hyperthyreose, Hashimoto- Thyreoiditis), sowie Nierenfunktionsstörungen
vordringlich sind.
Weitere Erklärungsmodelle sind:
Traumata: In der Anamnese finden sich bei den allermeisten Patienten ein durchgemachtes
Schleudertrauma oder einen Unfall mit Erschütterung der Wirbelsäule.
Auch psychische Traumen, d. h. traumatische Erlebnisse wie Verlust vertrauter
Personen oder Kriegswirren, spielen eine Rolle in der Ätiopathogenese.
Durchgemachte Infektionen: Neuere Forschungen ergaben, dass bestimmte Erreger,
(Viren, Bakterien) mit auslösend für die Fibromyalgie- Symptomatik
sein oder sie triggern können. Hervorgetreten sind v. a. Borrelien (die
Borreliose ruft eine ähnliche Symptomatik hervor wie die Fibromyalgie),
Chlamydien, Yersinien, das EBV-Virus, Herpes Typ 6, Herpes zoster, das Zytomegalie-
Virus u.a.
Streptokokkeninfekt, Lungenentzündung.
Umweltgifte: Der wohl am meisten umstrittene Faktor ist die Rolle
von Umweltgiften, v.a. von Schwermetallen (Amalgam, Quecksilber, Kadmium u.a.).
Der Neurologe Dr. Klinghardt stellte aufgrund der Tatsache, dass bei Fibromyalgie-
Patienten Quecksilber im Patienten nachgewiesen werden konnte und eine Ausleitung
eine entsprechende Besserung der Beschwerden nach sich führte, einen engen
Zusammenhang her. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Quecksilber-Punkte
und Fibromyalgie-Punkte in den meisten Punkten übereinstimmen. Auch die
Überempfindlichkeit gegenüber chemischen Stoffen und Gerüchen
(Abgase, Pestizide, künstliche Aromen, Konservierungsstoffe), wie beim
MCS ( Multiple Chemical Sensitivity) könnte ein Hinweis auf eine solche
Grundbelastung sein. Selbst der niedrige Serotonin-spiegel ließe sich
über Quecksilber-Präsenz erklären: der Grundbaustein des Serotonins,
das Tryptophan, wird von Quecksilber angegriffen. Frauen verfügen über
einen höheren Anteil an Bindegewebe als Männer, also über ein
größeres Depot für Quecksilber.
Die neuen diagnostischen Leitlinien und Therapien aus 2008:
Symptome: chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen,
wie
Kopf, HWS, Brustkorb, beginnend mit Rückenschmerzen
Schwellungsgefühl der Hände und Füße mit
Morgensteifigkeit
Müdigkeit
Schlafstörung
Begleit-
Syptome: allgemeine Schwäche
wichtigsten Erschöpfung, körperliche uns seelische
von 100 Konzentrationsstörung
diffuse Kopfschmerzen, Schwindel
neurologische Symptome (Taubheit, Kribbeln, ruhelose Beine)
Gedächtnisstörung
angespannte Gefühlslage, Verdrängen, Aggressionen
Depression
Angststörung
Atemnot
Herzjagen
Reizdarm, Reizblase
Kiefergelenksbeschwerden
Labor- Diagnostik: BSG, C- reaktives Protein, kleines BB (Rheuma)
Kreatinkinase ( etwa Muskelerkrankung)
Kalzium (Hyperkalcämie)
TSH basal ( Hypothyreose)
Anamnese wichtig !
Behandlung: 3 Ziele Schmerzreduktion
Funktionsverbesserung
Reduzierung der Begleitsymptome
Arzneien Trizyklische Antidepressiva
Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI)
Opioide wie Tramadol- mit oder ohne Paracetamol
zeitlich befristete Gabe von Duloxetin, Pramipexol,
Pregabalin, 5-HT3-Rezeptorantagonisten
nicht empfohlen Moclobemid
NSAR
Paracetamol allein
Metamizol
Natriumoxybat
nicht einsetzen Hypnotika
Neuroleptika
DHEA
Virostatika
Wachstumshormon
Glukokortikoide
Calcitonin
Physiotherapie: medizinische Trainingstherapie
Magnetfeldtherapie
Lasertherapie
Ultraschall
Reizstrom
transkranielle Magnetstimulation
zeitlich befristet Balneo- und Spa- Therapie
Chirotherapie
Osteotherapie
Ganzkörperwärme- oder
Ganzkörperkältetherapie
Lymhpdrainage
nicht empfohlen transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
Elektrokrampftherapie
Tenderpoint- Injektionen
keine chirurgische Maßnahme
Verhaltens- oder Psychotherapie:
Sie ist notwendig, um die Angst vor dem Schmerz zu überwinden. Das schaffen
Medikamente nicht allein.
„Schmerzferien“ als Chance für eine Neuprogrammierung der Schmerzerwartung.
Ein neues Konzept von Prof. Walter Zieglgänsberger: „Alles manifestiert
sich im Gehirn. Dort werden all unsere positiven und negativen Eindrücken
und Erfahrungen gespeichert. Im Gegensatz zum Computer hat das Gehirn aber keine
Löschtaste. Negative Erfahrungen und Prägungen können gewissermaßen
nur durch überschreiben mir anderen, erfreulicheren Erlebnissen eliminiert
werden. Dazu gehören auch das Schmerz-gedächtnis und die daraus erwachsene
Erwartungshaltung. Um diese quasi neu zu programmieren, wird der Schmerzlevel
-während einer Reha- mithilfe geeigneter Medikamente gesenkt. Zum Erfolg
dieser Maßnahme gehört eine Umgebung die viele Sinneseindrücke,
kognitive Herausforderungen und mögliche Aktivitäten bietet. Sie sollte
sich aber nicht komplex von der alltäglichen Erfahrungswelt des Patienten
unterscheiden. So hätten die positiven Eindrücke einer Reha auf Mallorca
im Alltagsstress keinen Bestand.
Zu viel Schonung bringt gar nichts. Bauen Sie die Genußfähigkeit
wieder auf. Eine gute Schmerztherapie lässt sich auf eine flapsige Formel
bringen: Tango statt Fango.“
Diagnostik komplementär: Suche nach Parasiten (Kräuterformula, Berberitzen
T.)
Schwermetallbelastung
Fahndung nach Nahrungsmittel- Unverträglichkeiten
(Milch, Weizen und Dinkel)
Naturheilkundliche Behandlung der Psyche, vor allem der Depression
Therapie: (Bachblüten, ev. Johannisrkaut )
Medizinalpilze: Cordyceps und Ling Zhi (2mal 1)
(Gesund mit Medizinalpilzen, Dr. Andreas Kapl,
ISBN 978-3-00-021921-4)
Ausleitungsverfahren für Quecksilber
(Chlorella, Bärlauch)
unbedingt vermeiden: Schweinefleisch, sonst weniger F
Entsäuerung
gute Leberfunktion ! (Muskel, Bänder, Auge betroffen)
TCM s.o.
Homöopathische- Hochpotenzen konstitutionell
Therapie: Niedrigpotenzen organotrop
Nosodentherapie als Zwischengabe -
- nach Erhebung des genauen Krankheitsbildes des
Patienten, nach Auswahl der individuellen,
charackteristischen und eigenheitlichen
Krankheitssymptome, zur Verordnung des
persönlichen homöopathischen Heilmittels -
Homöopathische Forschung zur Fibromyalgie:
Dr. Philippe Belon, 2004, klinische Studien aus „La recherche en homeopathie“:
2002/3 wurde in den USA an 62 Patienten eine Studie durchgeführt. Hier
wurde nachgewiesen, dass eine auf den Patienten abgestimmte homöopathische
Behandlung der Fibromyalgie wirksam ist, und zwar hinsichtlich der Schmerzbehandlung.
In dieser Studie wurde die individuell abgestimmte homöopathische Behandlung
mit einem identisch aussehenden Placebo verglichen (Doppelblindversuch). Die
Patienten, denen die homöopathische Behandlung verabreicht wurde, zeigten
eine signifikant höhere Schmerzlinderung an empfindlichen Punkten und eine
geringere Neigung zur Depression, als die Patienten, die mit Placebo behandelt
wurden. Die Autoren sind der Ansicht, dass diese Studie, in der eine große
Auswahl an Medikamenten getestet wurde, gezeigt hat, dass die individuell abgestimmte
Homöopathie für Patienten, die an Fibromyalgie leiden, signifikant
besser ist als ein Placebo ist.